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Nachdem sich der Sportwetter mit der Analyse seines Tipps beschäftigt hat, bleiben ihm wohl nur noch einige wenige Spiele über, für die eine Wette in Frage kommt. Jetzt kommen wir zu einem wichtigen Teil des Sportwettens, dem Value-Betting.

Value-Betting

Es gilt naemlich herauszufinden, ob sich die Wette zu den angebotenen Quoten überhaupt lohnt…

Suche dir die Höchstquote

Ein erfolgreicher Sportwetter spielt nicht nur beim Buchmacher um die Ecke, sondern er sucht sich aus dem Marktangebot immer die beste Quote heraus. Daher sollte jeder Sportwetter über mehrere Wettkonten verfügen, um die jeweils beste Quote ausnützen zu können.

Das ist ein sehr wichtiger Teil des Wettens, da man mit jeder gewonnenen Wette mehr Geld herschenkt.

Ein simples Beispiel: Ein Spieler setzt bei Buchmacher A 100 Euro auf die Quote 1,70, obwohl er bei Buchmacher B die gleiche Wette zu Quote 1,80 spielen könnte. Der Gewinn bei Buchmacher A bringt 170 Euro, bei Buchmacher B wären es 180 Euro Gewinn gewesen. In unserem Beispiel hat der Spieler 10 Euro einfach verschenkt, ein Fehler den viele machen, der sich jedoch auf Dauer negativ bemerkbar macht.

Bereits bei der Beobachtung des Marktes haben wir uns mit Quotenvergleichen beschäftigt und auch in diesem Fall kann der Sportwetter mit wenigen Klicks bequem die Höchstquote für seinen Tipp herausfinden. Hat man die beste Quote erblickt, so ist folgendes zu tun:

Lohnt sich bei der angebotenen Bestquote eine Wette?

Jetzt kommen wir zum mathematischen Teil des Sportwettens: Wir müssen herausfinden, ob die angebotene Quote für uns spielbar – im Wettjargon auch als „value“ bezeichnet – ist.

Dafür gibt es 2 Möglichkeiten:

Vergleich der eigenen Einschätzung mit jener des Buchmachers in Prozent 

1.) Berechnung des Values aus einer Formel

Buchmacherquoten sind nichts anderes, als die Einschätzung des Buchmachers über die Wahrscheinlichkeit eines Spielausganges in Prozent, jedoch ist zu beachten, dass kein Buchmacher 100 % der Wahrscheinlichkeit ausschüttet, sondern sich einen Teil davon als Marge (auch Juice genannt) einbehält, indem er z.B. nur 90 % ausschüttet. Die 100 % Einschätzung des Buchmachers muss man sich selbst ausrechnen.

Die Quotenberechnung in Form eines Beispiels:

Der Buchmacher bietet Wetten auf das Eishockeyspiel Deutschland gegen Österreich mit folgenden Quoten (1 x 2) an

Beispiel
Buchmacher
Wahrscheinlichkeit
1
2.25
40%
X
4.50
20%
2
2.25
40%

Die Wahrscheinlichkeit des Buchmachers errechnet man sich folgend:

100 / 2,25 = 44,44 %

100 / 4,50 = 22,22 %

100 / 2,25 = 44,44 %

Die Summe ergibt 111,1 %.

Die Differenz zu Hundert ergibt die Gewinnmarge des Buchmachers, also runde 10 %.

Um die eigentliche Einschätzung des Buchmachers zu bekommen rechnet man:

1: 44,44 / 111,1 *100= 40 %

X: 22,22  / 111,1 *100= 20 %

2: 44  / 111,1 *100= 40 %

Jetzt haben wir die Einschätzung des Buchmachers in Prozent errechnet.

Als nächsten Schritt untersuchen wir jetzt, ob die Quote für uns „value“ ist.

Um diesen „value“ zu bestimmen, müssen wir all die Faktoren einfliessen lassen, die im Kapitel I beschrieben wurden und dem Ausgang des Spieles selbst eine Wahrscheinlichkeit in Prozent geben. Geben wir einem Spielausgang eine höhere Wahrscheinlichkeit, so haben wir eine spielbare Wette gefunden.

2.) Man kann den „value“ auch mit einer einzigen Formel berechnen:

Quote des Buchmachers * der eigenen Einschätzung in % /100

Ergibt sich eine errechnete Zahl, die > 1 ist, kann die Quote des Buchmachers als Value bezeichnet werden und muss gespielt werden.

Nehmen wir als Beispiel das Eishockeyspiel Deutschland gegen Österreich. Der Buchmacher sieht das Spiel als eine offene Partie, jedoch verfügen wir aufgrund von Recherchen (Kapitel I) über Informationen, wodurch wir Österreich 50 % Chance auf den Sieg geben.

Da wir bereits vorher die Wahrscheinlichkeit in Prozent des Buchmachers ausgerechnet haben, sehen wir auf den ersten Blick, dass der Buchmacher falsch liegt und wir können eine Wette auf Österreich platzieren.

Nach der Formel ergäbe die Berechnung:

2,25 * 50 / 100 = 1,125

Der errechnete Wert ist klar grösser als 1 und somit wäre auch nach dieser Berechnung eine Wette auf Österreich klarer „value“. Mit wachsender Erfahrung benötigt der geübte Sportwetter fast keine Berechnung mehr, da man meistens auf den ersten Blick „value“ Quoten erkennen wird. (Value Betting)

Ad a)

Eine Faustregel besagt, dass sich eine Einzelwette unter der Quote von 1,7 bei Heimspielen und 1,8 bei Auswärtsspielen auf Dauer nicht lohnt. Es gibt natürlich auch Ausnahmen. Ganz umsonst sind diese „Pimperlquoten“ aber auch nicht- ist man der Meinung dass die Chance sehr groß ist dass die niedrig quotierte Mannschaft gewinnt, kann man diese als „Kombimaterial“ weiterverwenden.

Warum erfolgreiche Spieler 1,7 als untere Schmerzgrenze bezeichnen illustriert sich durch folgenden Vergleich:

Spieler A spielt um jeweils € 100 10 Wetten in Serie zu einer durchschnittlichen Quotierung von 1,2. 8 Wetten wurden gewonnen, 2 verloren. Das ist durchaus lebensnah und kommt vor.

 

Beispiel 1


Einsatz gesamt: € 1000
Verluste gesamt: € 200
Gewinne gesamt € 160 (8 Wetten mit je € 20 Gewinn)

Gesamtverlust €40

 

Obwohl also 80% der Wetten erfolgreich waren, erleidet der Tipper einen Verlust.

Spieler B spielt um jeweils € 100 10 Wetten in Serie zu einer durchschnittlichen Quotierung von 1,7. 6 Wetten wurden gewonnen, 4 verloren.

 

Beispiel 2


Einsatz gesamt: € 1000
Verluste gesamt: € 400

Gewinne gesamt: € 420
(6 Wetten mit je € 70 Gewinn)
Gesamtgewinn €20

 

Obwohl also 40% der Wetten verloren wurden, macht Spieler B einen Gewinn.

Diese Grenze ist kein Dogma, aber auf lange Sicht gesehen, sollte 1,7 die magische Grenze sein, die ein Wetter nicht unterschreiten sollte. Auswärts deshalb etwas höher, da Auswärtssiege statistisch einfach seltener als Heimsiege sind.

Der Tipper, der also ständig auf kleine Quoten setzt ist auch ständig unter Erfolgsdruck um Gewinne einfahren zu können. Besteht also keine Kombipflicht und die Quote ist 1,7 oder höher, kann der Tipper eine Einzelwette versuchen.

Ad b)

Besteht eine Kombipflicht, so hat man mehrere Möglichkeiten:

  • Kombination mit anderen Spielen
  • Spielen beim nächstbesten Anbieter ohne Kombipflicht
  • Verwerfen der Wette

Eine Kombination ist nur dann empfehlenswert, wenn man noch „sichere“ Tipps zur Hand hat. 100%ig sicher ist aber wie gesagt ein Spiel niemals und das Restrisiko einer 1,10er Quote ist leider nur zu oft das Risiko, welches dem Sportwetter den Rest gibt.

Oft ist der Unterschied zum nächstbesten Anbieter nur marginal, der damit verbundene „Verlust“ moderat. Das ist in diesem Falle meistens zu empfehlen.

Bei Kombis ist generell zu beachten:

  • Niemals mehr als drei Spiele miteinander kombinieren
  • Kombis immer mit weniger Einsatz spielen, als Einzelwetten
  • Spiele mit hohen Quoten bestenfalls in „Systemwetten“ (2 aus 4 etc.) kombinieren
  • Einzelwetten immer Kombis den Vorzug geben

Warum? – Leicht erklärt. Wer sich in mühevoller Kleinarbeit ein viel zu hoch quotiertes Spiel herausgepickt hat , dieses aber mit einem haushohen Favoriten kombiniert, der leider „umfällt“, ärgert sich nicht nur über seinen finanziellen Verlust, sondern bringt sich auch noch um die Früchte seiner Arbeit, wo er die Riesenchance ausgelassen hat, den Buchmacher wirklich zu schlagen. Darauf kommt es letztendlich ja an- dort zu wetten wo der Buchmacher eine falsche Einschätzung hat und die Quoten zu hoch ansetzt und nicht dort, wo der Buchmacher ohnehin dafür sorgt, dass die Quoten eher zu gering angesiedelt sind.

Money- Management und Wetteinsätze („Stakes“)

Wir haben nun also unsere Spiele gefunden, auf die wir setzen wollen, wir haben die Quoten verglichen und nach dem Value gesucht. Jetzt geht es darum, wie viel wir tatsächlich für eine einzelne Wette einsetzen wollen. Das nennt man „Money- Management“ und „Staken“ (von englisch „stake“ = Anteil), dem wir uns jetzt widmen.

Ein richtiges Money-Mangement und das richtige Platzieren von Einsätzen ist unerlässlich für einen erfolgreichen Spieler und erfordert Disziplin.

Mangelnde Disziplin ist der Hauptgrund, wieso 95 % der Sportwetter auf Dauer verlieren.

Als ersten Schritt legt man sich ein Gesamtbudget für das Wetten fest. Gehen wir davon aus, ein Spieler veranschlagt € 2000 als Gesamtbudget für Wetten und zahlt diese auf Wettkonten ein. Vom Gesamtbudget sollten maximal 5% auf eine Wette (=full stakes) gesetzt werden. Wie in der Einleitung bereits erwähnt, jeder Sportwetter hat Phasen, wo er Glück hat, jedoch kommen auch Phasen wo einem das Pech förmlich an den Händen klebt.

Wer in einer Pechphase ausserhalb seines Budgets agiert, kann unter Umständen sein gesamtes Budget verlieren.

 

Daher:


Gesamtbudget:

€ 2000

Maximal für eine Wette einsetzbar:
€ 100

 

Diese € 100 in Einheiten (Units) unterteilt.

Für Anfänger empfiehlt es sich, den Maximalbetrag zu Zehnteln, was in unserem Fall 10 Euro pro Einheit bedeuten würde. 10/10 = 100 Euro, 5/10 = 50 Euro, 1/10 = 10 Euro usw…

Grob kann man die Einsätze auf eine Wette folgend unterteilen:

10 / 10, 9 / 10, 8 / 10

Diese Einsatzhöhe fällt unter die Bezeichnung „High Stakes“ und kommt vor allem in Verwendung, wenn man sich sehr sehr sicher ist oder der Buchmacher einen schweren Fehler macht.

7 / 10, 6 / 10, 5 / 10, 4 / 10

Fallen unter den Begriff „Medium Stakes“. In diesem Bereich bewegen sich die meisten Wetten.

3 / 10, 2 / 10, 1 / 10

„Small Stakes“ werden vor allem für Quoten verwendet, die für den Sportwetter „value“ und einfach „zum Probieren“ sind.

Buchhaltung

Um auf Dauer Überblick über seine Gewinne/Verluste zu haben, ist es unbedingt erforderlich, eine genaue Buchhaltung zu führen. Notiere dir jede Wette, deren Ausgang und natürlich auch die Gewinne oder etwaige Verluste. Dies ist die einzige Möglichkeit, um nicht den Überblick zu verlieren und auch um zu erkennen, ob man mit den Wetten ein Plus erzielt.